Ich bin ein Material-Freak

Weil ich mich bei meiner Malerei sehr viel mit Materialien aller Art, z. B. mit Binde- und Lösungsmitteln, Pigmenten, Dispersionen, Lacken, Harzen etc. (-> Text in "grün" unten) experimentiere und mich mit den spannenden Möglichkeiten des Auftrags dieser Materialien auf unterschiedlich strukturierten und grundierten Malgründen beschäftige, möchte ich hier einmal meine "Kunst-Bibel" vorstellen - eines meiner wichtigsten Bücher:

Max Doerner: "Malmaterial und seine Verwendung im Bilde".

Ein Buch, welches in der 4. Auflage bereits 1933 erschien, immer wieder überarbeitet wurde und mir in der 17. Auflage von 1989 vorliegt.


Was ich hier alles gelernt habe ist unglaublich! Max Doerner lebte von 1870 bis 1939 und hat sich mal so richtig (!) mit den Naturgesetzen der wesentlichen Malmaterialien auseinander gesetzt. Er und seine Weggefährten und Nachfolger wussten gut, dass Malmaterial und Handwerk die entscheidenden Vehikel sind, um künstlerische Formen und Inhalte darzustellen, zu transportieren, zu transzendieren. Es genügt eben nicht, kreative Vorstellungen nur zu haben - der Maler muss sie auch angemessen artikulieren können.

Hans Gert Müller hat meine Ausgabe neu bearbeitet. Ich habe in den 80er Jahren an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste ein paar Semester bei ihm belegt. Wir waren nur einige wenige Studenten und er hat sich richtig gefreut, dass jemand wie ich, der nicht wirklich ein Kunststudium absolviert hat, sich für Materialkunde interessiert.


In meinem Atelier mache ich immer wieder Experimente u. a. mit: Acryl- und Vinyl- aber auch mit Dispersionsfarben, Holzspänen, Marmormehl, Teer, Korund, Sand und Rost. Auch mit Wachsen, diversen Alkoholen, Ammoniak, Casein und unterschiedlichen Leimen. Mit Lacken (insb. verschiedenen Schellack-Sorten, die ich in einem selbst entwickelten Verfahren dauerhaft lichtecht einfärbe) mit Baumharzen, Ölen, Terpentin-Sorten, Acryl-Bindern, Sand- und Stein-Mehlen, Hämatit-Sorten, Sumpfkalk und vielem mehr.


Es nehmen so viele Stoffe Anteil an der Bildgenese, von dem der Betrachter überhaupt nichts ahnt. Sie vereinen sich dabei (unter Ausdruck der eigenen chemischen Gesetzmäßigkeiten) auf unterschiedlichen Bildträgern wie Holz, Jute, Leinwand oder z. B. Bitumen.


Teilweise lasse ich auch Leinwände oder andere textile Untergründe von der Natur selbst "vor-behandeln", bevor ich sie weiterbearbeite. So habe ich schon Malgründe z. B. für Wochen in Bachläufe, unter Bäume oder auf Waldwege gelegt oder sie vergraben und sie dadurch verschiedenen Elementen wie Rauch, Hitze, Kälte, Regen, Schnee/Eis, Wasser sowie mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt. Einmal konnte ich eine in der Farbe "Petrol" grundierte Leinwand für ein paar Wochen in den Kuhstall eines befreundeten Bauern legen. Man kann sich denken, welche Flüssigkeiten hier Spuren hinterlassen und die Fläche spannend für weitere Aufträge vorbereitet haben :-)

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